Nach zwei vorangegangenen ausgewachsenen Spielfilmprojekten ("Die Hitze", 1994 und "Wahlnacht", 2001) kam der Wunsch auf, mal ein kleines, überschaubares Projekt ohne großen Aufwand zu machen – eben ein Kurzfilm. Aus Motiven einer Drehbuchskizze von 1993 entstand dann 2002 ein Exposé, das im Verlauf der nächsten Monate noch einige Überarbeitungen erfuhr.
Die Tatsache, dass die Geschichte ohne Dialoge auskommt, war so eigentlich nicht geplant. Es ergab sich einfach nicht der Bedarf, Dialog einzusetzen. Damit ergab sich die Chance, eine komplexe Story rein visuell zu erzählen – was sich beim Drehen als nicht ganz so einfach erwies...
Nachdem das Exposé fertig war, ging die Suche nach den Darstellern los. Während wir viele Rollen mit (ehemaligen) Schauspielern aus dem UniTheater besetzen konnten, wollten wir für die tragenden Rollen professionelle Schauspieler. Über Beziehungen fanden wir schließlich Ferdinand Grözinger, Maria Magdalena Rabl und Judith Dreyer.
Die visuelle Umsetzung der Innenwelt (also das Zimmer des Mannes, die Gänge und die große Halle) warf Fragen auf. Diverse potenzielle Drehorte wurden angeschaut und wieder verworfen. Kurzfristig war sogar die komplette Generierung der Innenwelt aus dem Rechner in Diskussion, bis schließlich die endgültige Lösung mit der Andeutung der Räume über Neonröhren und Lichtstreifen am Boden aufkam.
Damit war schnell der Drehort klar: der Festsaal im Studentenhaus an der Universität Karlsruhe. Dank der freundlichen Unterstützung durch Josef K. Jünger vom Studentischen Kulturzentrum stand uns der Saal für zwei Wochen zur Verfügung, so dass wir genug Zeit für Aufbau und Dreh hatten.
Parallel dazu fing Hellmut Telge mit dem Storyboard an. Dabei übernahm er auch die Szenenauflösung, die er in endlosen Diskussionen mit Frank Schroeder und Matthias Razum immer wieder überarbeitete. Das Ergebnis hat viele Szenen überhaupt erst zum Funktionieren gebracht - allerdings doch zwischenzeitlich Zweifel aufkommen lassen, ob wir statt dem Film nicht lieber das Storyboard als Comic veröffentlichen sollten.
Während die Diskussionen um Drehbuch und Storyboard noch liefen, begann Olaf Trieschmann über die Installation der Neonröhren für die Gänge und Räume nachzudenken. Besonders schwierig war die Auflösung des Widerspruchs von Neonröhren, die prinzipiell Streulicht in alle Richtungen senden, und klar begrenzten Lichtbändern am Boden. Am Ende waren die Neonröhren alle durch neutralgraue Folie fast aller Leuchtkraft beraubt. Das eigentliche Licht kam durch diverse Scheinwerfer, die oberhalb der Neonröhren montiert waren.
Mitten im extrem heißen Sommer 2003 drehten wir vier stressige Tage, die meiste Zeit davon in einem abgedunkelten und nicht belüftbaren Raum mit einigen Kilowatt an stundenlang brennenden Scheinwerfern. So war es eine Freude, die täglich 60-80 Einstellungen bei angenehmen Temperaturen von ca. 35° - 40° C zu drehen.
Insgesamt war der Einsatz des gesamten Teams ziemlich beeindruckend. Bei 16-18 Stunden am Tag gab es zwar Stress, aber keinen Knatsch. Die Schauspieler waren konzentriert, der Einsatz von Profis hat sich bewährt, obwohl auch die "Laien" stets präsent waren. Besonders beliebt waren die Umbauten am Tagesende, wenn alle schon fix und fertig waren.
Für technisch Interessierte: wir drehten mit einer Canon XL1s im 16:9 Modus. Das Ergebnis, insbesondere bei den sehr detailreichen Außenaufnahmen, war eher enttäuschend. Einige Schwenks bei Probeaufnahmen ergaben nur noch schmierige grüne Flächen. Zumal die Bildqualität durch den "unechten" 16:9 Modus eh schon leidet. Das war wohl jenseits der Grenze dessen, was die Datenrate von DV zu packen vermag. Insgesamt nicht zu empfehlen.
Als Ergebnis hatten wir am Ende leise Nervenzerrüttung und ca. 3½ Stunden Rohmaterial auf DV-Band. Irgendwie beschlichen uns so langsam Zweifel, ob wir wirklich am Ende mit einem 10 Minuten Film dastehen würden.
Wie üblich haben wir im Folgenden mehrere Schnittfassungen erstellt, die wir immer wieder in Probeaufführungen prüften. Allerdings war die Unsicherheit beim Timing für diese Geschichte ohne strukturierende Dialoge groß. Auch die Darstellung des immergleichen Tagesablaufs des Manns, ohne den Zuschauer zu langweilen, erwies sich als harte Nuss. Ob unsere Lösung funktioniert, zeigt der Film...
Die aufwändige Konstruktion, die uns die Neonröhren und die Lichtbänder am Boden ermöglichte, hatte den Nachteil, dass auf diversen Einstellungen Scheinwerfer im Bild zu sehen waren. Diese wurden in tagelanger Arbeit mit Masken und zum Teil Bild für Bild wegretuschiert.
Besonders viel Augenmerk (oder hier besser Ohrenmerk) haben wir diesmal auf den Soundtrack gelegt. Die erste Fassung mit den Geräuschen von Peter Tholey war ein Riesenfortschritt. Die wilde Mixtur, die er zu den Geräuschen der Innen- und Außenwelt zusammengemischt hat, enthält die wunderlichsten Ingredienzien wie z.B. einen rückwärts auf halbe Geschwindigkeit abgespielten singenden Wal.
Besonders die Musik von Andreas N. Tarkmann trägt zur Stimmung bei. Sie wurde bewusst sehr sparsam eingesetzt. Das zu Anfang und Ende angespielte wunderschöne Stück "Lost Paradise" erscheint hier fast verschwendet, wenn man es komplett gehört hat. "Tritoni" untermalt den Weg des Manns durch den Wald in einer Weise, dass die Umkehr überhaupt erst motiviert erscheint.
Ach ja. Der Film ist am Ende 26 Minuten lang geworden.